„Ich war sportlich, jung und voller Pläne – und plötzlich hatte ich eine Thrombose.“
Ilka war 19, sportlich und voller Pläne – als eine Thrombose ihr Leben unerwartet auf den Kopf stellte. Im Interview erzählt die heute 31-Jährige, wie sie mit der Diagnose umging, warum sie lange schwieg.
Ilka, erinnerst du dich an die ersten Anzeichen?
Ja, es fing mit Rückenschmerzen an – ich war gerade in Spanien im Freiwilligendienst. Erst dachte ich an eine Verspannung, war beim Physiotherapeuten. Doch die Schmerzen wurden schlimmer, wanderten in die Leiste, dann ins Bein. Es fühlte sich schwer an, wurde dick – aber niemand dachte an eine Thrombose. Erst nach vier Wochen bekam ich die richtige Diagnose.
Wie hat die Thrombose deinen Alltag und dein Leben direkt nach der Diagnose verändert?
Direkt nach der Diagnose musste ich mein Freiwilliges Soziales Jahr abbrechen. Ich war völlig überfordert – emotionalwie körperlich. Kompressionsstrümpfe tragen, täglich Blutverdünner nehmen – ich habe oft geweint. Mein Berufswunsch, zur Polizei zu gehen, war mit einem Schlag erledigt. Wegen der Medikamente, wegen der Sporttests – ich musste mich komplett neu orientieren. In den ersten Monaten konnte ich nicht malmehr schmerzfrei laufen. Alles fühlte sich schwer an – im Körper, aber auch im Kopf.
Was hat die Diagnose emotional in dir ausgelöst?
Ich habe lange gehofft, dass ich wieder ganz gesund werde. Als mir klar wurde, dass die Thrombose bleibt, bin ich in ein Loch gefallen. Ich habe die Erkrankung verdrängt, versteckt, mich geschämt – besonders für die Kompression. Ich konnte sie nicht mal vor meinem Partner anziehen. Gab es einen Wendepunkt, an dem du gemerkt hast: „Ich schaffe das“? Der kam durch einen Fernsehbeitrag – als jemand sagte: „Sie hätte an der Thrombose sterben können.“ Da habe ich es wirklich realisiert. Das war der Moment, der mich zur Therapie gebracht hat. Sie hat mir sehr geholfen. Ich habe gelernt, meinen Körper besser zu verstehen, auf ihn zu hören. Ich bin heute Expertin meiner eigenen Krankheit. Ich weiß, worauf ich achten muss – im Alltag, im Urlaub, bei einer möglichen Schwangerschaft.
Was ist dir wichtig, weiterzugeben?
Dass Thrombose kein „Alte-Leute- Thema“ ist. Ich war 19 und sportlich. Die Krankheit hat mein Leben verändert – aber ich habe gelernt, damit zu leben. Ich weiß: Wenn man sich informiert, sich Hilfe holt und sich austauscht, kann man auch mit Thrombose ein gutes Leben führen. Die Thrombose ist ein fester Teil von mir. Ich habe sie akzeptiert und ich fühle mich wohlmit meinem Körper, mit meiner Geschichte. Und das Wichtigste: Die Thrombose kontrolliert nicht mein Leben – ich tue das.
Welche präventiven Maßnahmen empfiehlst du jungen Menschen, um das Risiko einer Thrombose zu verringern?
Vor allem: Bewegung! Beim Fliegen regelmäßig aufstehen, Übungen machen, viel trinken – das kann jeder sofort umsetzen. Aber auch im Alltag: Hydration ist total wichtig. Was viele unterschätzen: Familiäre Vorbelastungen. Wenn Mutter oder Oma schon mal eine Thrombose hatten, sollte man bei Themen wie der Pille unbedingt genauer hinschauen. Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht – das sind vermeidbare Risiken. Wer seinen Körper kennt und ihm Gutes tut, schützt sich am besten.
