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Diabetes mellitus - Zuckerkrankheit

mellitus (lat.) = mit Honig versüßt

Die Zuckerkrankheit ist eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels. Eine Zuckerkrankheit liegt vor, wenn bei Nüchternblutzuckerwerten Werte über 140 mg/dl erreicht werden. Wenn bei einer Zuckerbelastungsprobe mit 75 Gramm und einem nach zwei Stunden bestimmten Blutzuckerwert ein Wert von über 200 mg/dl vorliegt, ist dies ebenfalls beweisend für eine Zuckerkrankheit. Nüchternblutzuckerwerte unter 115 mg/dl werden als normal angesehen.

Nach wie vor werden zwei Typen der Zuckerkrankheit unterschieden:

  • Typ 1 = insulinabhängiger Diabetes mellitus
  • Typ 2 = insulinunabhängiger Diabetes mellitus

Wie häufig ist die Zuckerkrankheit?

In Deutschland sind etwa 5 % der Bevölkerung an einer Zuckerkrankheit erkrankt. Der Großteil der Patienten sind Typ-2-Diabetiker, nur etwa 5-10% aller Diabetiker leiden an einem Typ-1-Diabetes.

WHO-Kriterien zur Diagnosestellung einer Zuckerkrankheit. Bei einem Zuckerbelastungstest (Zucker getrunken) mit 75 Gramm Glucose wird nach zwei Stunden der Zucker gemessen.

Normwert (mg/dl)

Pathologische Glucosetoleranz (mg/dl)

Diabetes mellitus (mg/dl)

Nüchternwert

<115

<140

>=140

Oraler Glucose-Toleranztest (Blutzucker nach 2 Stunden)

<140

140 - 199

<=200

Krankheitszeichen des Typ-1-Diabetes

Die Erkrankung manifestiert sich bereits im jugendlichen oder jüngeren Erwachsenenalter. In der Regel sind die Patienten schlank, meist auch untergewichtig.

Wichtige Krankheitszeichen sind:

  • ständiges Durstgefüht (Polydypsie)
  • häufiges Wasserlassen (Polyurie)
  • Müdigkeit
  • Allgemeine Schwäche und Gewichtsabnahme
  • Sehstörungen
  • Muskelkrämpfe
  • Infektanfälligkeit, schlechte Wundheilung
  • Juckreiz, bakterielle Hautinfektionen oder Pilze
  • Sensibilitätsstörungen an den Füßen
  • Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen

Krankheitszeiten beim Typ-2-Diabetes

Der Typ-2-Diabetes (früher auch Alterszucker genannt), tritt meist bei älteren und übergewichtigen Personen auf.

Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines Alterszuckers erhöhen sind:

  • Übergewicht, Überernährung
  • körperliche Inaktivität
  • Schwangerschaft
  • Lebererkrankungen
  • Stress
  • bestimmte Medikamente (Cortison, entwässernde Mittel, die "Pille", u.a.)

Häufige Begleiterkrankungen sind ein Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und arteriosklerotische Gefäßerkrankungen mit Verkalkungen der Herzkranzgefäße sowie sämtlicher Schlagadern des Körpers. Folgen sind auch Schädigungen der Augen, vor allen Dingen des Augenhintergrundes (Retinopathie), der Nieren (Nephropathie) und der Nerven (Neuropathie).

Behandlung der Zuckerkrankheit

Behandlungsziele beim Vorliegen einer Zuckerkrankheit sind eine Norm-nahe Einstellung des Blutzuckers, im Idealfall das Erreichen einer Normoglykämie.

Beim Typ-1-Diabetes muß Insulin grundsätzlich substituiert werden, ergänzt durch eine Ernährungsbehandlung.

Beim Typ-2-Diabetes ist die Ernährung die Basis jeder Behandlung, ergänzt durch eine ausreichende körperliche Aktivität. Ferner muß ein normales Körpergewicht angestrebt werden. Nur wenn keine befriedigende Stoffwechseleinstellung erreicht wird, ist die Indikation für eine zusätzliche medikamentöse Behandlung mit Zuckermedikamenten beziehungsweise mit Insulin gegeben.

  • Jeder Diabetiker sollte hinsichtlich seiner Erkrankung geschult werden.
  • Bestandteil jeder Diabetestherapie ist die Stoffwechselselbstkontrolle durch den Patienten.
  • Der Patient braucht eine Langzeitführung durch seinen praktischen Arzt.

Ernährungsrichtlinien bei Zuckerkrankheit

Wichtig ist eine vollwertige und bedarfsgerechte Ernährung.

  • Bei Normalgewichtigen soll das Körpergewicht normal gehalten werden,
  • Untergewichtige können in gewissen Grenzen leicht zunehmen,
  • Übergewichtige müssen abnehmen,
  • Diabetiker sollten lieber 6 - 7 kleine Mahlzeiten pro Tag als 3 - 4 große Mahlzeiten zu sich nehmen.

Die Einheit der Ernährung für Kohlenhydrate ist die Broteinheit (BE). Eine BE entspricht 10 - 12 Gramm verwertbaren Kohlenhydraten.

Bei Übergewichtigen Typ-2-Diabetikern ist insbesondere eine Normalisierung des Körpergewichts durch eine Reduktion der Energiezufuhr und durch vermehrte körperliche Aktivität vordergründig. Bei einer deutlichen Gewichtsabnahme wird dann sehr häufig eine medikamentöse Therapie überflüssig.

Ernährungsempfehlung bei Diabetes:

Der Anteil an Kohlenhydraten sollte 50 - 55 % der Gesamtkalorien betragen, der Fettanteil 30 - 35 %, Eiweiß 10 - 20 % der Gesamtkalorien.

Zuckerersatzstoffe (Cyclamat, Saccharin und Aspartam) sind zum Süßen erlaubt (z.B. in Getränken), sie müssen nicht berechnet werden. Alkohol (1 - 2 Glas Wein/Tag) ist akzeptabel. Alkohol sollte nur in Verbindung mit kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten genossen werden, wegen des Risikos schwerer Hypoglycämien. Die maximale Kochsalzaufnahme sollte 6 g pro Tag nicht überschreiten.

Wann muß auf Insulin eingestellt werden?

  • bei Typ-1-Diabetes (unbedingt erforderlich),
  • Typ-2-Diabetes, bei unbefriedigender Stoffwechseleinstellung auch unter zusätzlicher Therapie mit Tabletten gegen die Zuckerkrankheit,
  • immer wenn es zu ausgeprägten Stoffwechselentgleisungen kommt,
  • vor und nach einer geplanten Operation
  • während der Schwangerschaft,
  • bei Nebenwirkungen bzw. Gegenanzeigen von Blutzuckertabletten (orale Antidiabetika).

Behandlung des Typ-2-Diabetes

Die Basisbehandlung besteht in einer angepassten Ernährung und in vermehrter körperlicher Aktivität. Bei Übergewicht sollte eine Gewichtsreduktion angestrebt werden. Der Patient muß konsequent geschult werden.

Ist unter diesen Therapiemaßnahmen die Stoffwechseleinstellung unbefriedigend, werden zusätzlich blutzuckersenkende Medikamente verordnet. Ist auch dann die Blutzuckereinstellung noch unbefriedigend, muß auf Insulin umgestellt werden.

Neben der Blutzuckerbestimmung ist die Bestimmung des HbA1c-Wertes für die Verlaufs- und Therapiekontrolle hilfreich. Dieser Wert zeigt die Güte der Blutzuckereinstellung an. Dieser Parameter wird auch als Blutzuckergedächtniswert bezeichnet.

Arteriosklerose und Zuckerkrankheit

Die Dauer der Zuckerkrankheit korreliert mit dem Auftreten von Gefäßerkrankungen. In vielen Studien hat sich gezeigt, daß nicht nur die manifeste Zuckerkrankheit, sondern auch schon das Stadium der gestörten Zuckertoleranz (latent hohe Blutzuckerwerte) deutlichen Risikocharakter hat. Neueste Untersuchungen haben auch gezeigt, daß Diabetiker eine sehr exakte Blutdruckeinstellung benötigen (Werte nicht über 130/80 mmHg) und es ist auch sehr wichtig, daß sie normale Cholesterinwerte haben (unter 140 mg/dl).