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Behandlungkonzept

Organisationsstrukturen einer fortschrittlichen Wundbehandlung

von Heike Owczarek

Bild Wundbehandlung

Tagtäglich werden Pflegekräfte und Ärzte mit akuten und chronischen Wunden konfrontiert. Um diese optimal beurteilen und ein angepasstes Behandlungskonzept erstellen zu können, ist es sinnvoll einen "Wundarbeitskreis" zu gründen. Dieser sollte idealerweise aus jeweils einer Pflegekraft pro Station, einer Hygienefachkraft, einem Mitarbeiter der Pflegedirektion und einem Arzt, der auf die Wundversorgung spezialisiert ist, bestehen. Beratend wird je nach aktuellem Thema auch ein Apotheker hinzugezogen.

Seit Jahren ist bekannt, dass Wunden unter feucht-warmer Okklusion in einem physiologischen Milieu besser heilen, als unter herkömmlicher trockener Wundbehandlung. Diese Erkenntnis führte zu einer wachsenden Produktion und zu einer kaum überschaubaren Anzahl von Wundauflagen, die ein geeignetes Milieu herstellen sollen.

Insgesamt kann es durch eine erheblich schnellere Heilung und durch geringeren Arbeitseinsatz zu einer Verminderung der Kosten führen, da diese neuartigen Wundauflagen nicht täglich gewechselt werden müssen. Allerdings sind diese Materialien auch erheblich teurer als Kompressen und Binden und führen nur bei sachkundigem Einsatz zu einer Kostenminderung.

Ziel und Zweck eines Wundarbeitskreises ist die Wissensvermittlung und deren stetige Aktualisierung im Bereich der Wundversorgung. Die Erstellung einheitlicher Behandlungsleitlinien, verbunden mit einem zweckdienlichen und wirtschaftlichen Sortiment an Wundauflagen und die verbindliche und für alle verständliche Dokumentation auf einem dafür entwickelten Wunddokumentationsbogen, erleichtern den täglichen Arbeitsablauf.

Ein ganz wichtiger Punkt ist die Zusammenarbeit mit den örtlichen Sozialstationen und den ambulanten Pflegediensten. Die an der Wundversorgung beteiligten Personen sollten sich vorab (z.B. einmal wöchentlich) in einer Visite mit den Patienten und deren Wundverhältnisse vertraut machen, um eine möglichst kontinuierliche Wundversorgung zu gewährleisten.

Die Vielfalt der verwendeten Wundauflagen können auf ein kleines Sortiment reduziert werden, sodass ein wirtschaftlicher Einsatz gewährleistet ist. Hierfür können verschiedene Produkte getestet und unter Berücksichtigung von Wirksamkeit, Anwenderfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit eine Produktpalette ausgewählt werden. Dieses Sortiment sollte regelmäßig geprüft und wenn nötig neu angepasst werden. Idealerweise kann sich jeder Mitarbeiter aus einer Liste, nach Verbandstoffarten sortiert, eine geeignete Wundauflage aussuchen und gleichzeitig Behandlungsindikationen und Anwendungsmöglichkeiten in Kurzform nachlesen.

Zur Vereinheitlichung der Wunddokumentation sollte ein eigener Dokumentationsbogen erstellt werden. Eine Behandlungsempfehlung soll weniger routinierten Pflegekräften als Richtlinie und/oder Hilfestellung zur Wundversorgung dienen.

Ideal ist eine Zusammenarbeit mit Fachärzten wie Gefäßchirurgen, Diabetologen, Angiologen und Dermatologen. Dadurch können die Wundursachen erkannt und gezielt behandelt werden. Durch Physiotherapie (z. B. Gefäßtraining) und physikalische Therapie (z. B. Lymphdrainage), Ernährungsberatung und auch psychologische Betreuung u. a. in der Schmerztherapie wird die ganzheitliche Heilung unterstützt. Ebenfalls unterstützend sollte bei Bedarf ein medizinischer Schuhmacher hinzugezogen werden. In Kooperation mit Ergotherapeuten können die Patienten mit sonstigen Hilfsmitteln wie Rollstühlen, Gehhilfen etc. versorgt werden.

Da die Heilung chronischer Wunden ein sehr langwieriger Prozess ist, können die Patienten bei stabilen Wundverhältnissen nach der Akutphase wieder in den ambulanten Bereich entlassen werden. Um eine optimale Überleitung zu gewähren, ist die Zusammenarbeit mit verschiedenen Home-care- Unternehmen oder ambulanten Pflegediensten von großem Vorteil. Viele dieser Mitarbeiter haben eine Zusatzausbildung in der modernen Wundversorgung und sorgen so für die fachgerechte Wundtherapie zu Hause. Nehmen die Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste an den wöchentlichen Wundvisiten im Krankenhaus teil, lernen sie so sowohl die Patienten als auch deren Wunden und Behandlungsprobleme kennen.

Eine solche Zusammenarbeit führt zu einer besseren ambulanten Wundversorgung und zu mehr Teamwork zwischen Klinik, Hausarzt und ambulanten Pflegediensten.