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TAKAYASU-Krankheit *
(Syn.: Arteriitis des Aortenbogens, Brachiocephalische Arteriitis engl.: Pulseless disease of young women)
Definition
Gefäßeinengende bzw. gefäßverschließende entzündliche Prozesse an einer oder mehreren vom Aortenbogen (Brustschlagader) abgehenden Stammarterien. Die Takayasu-Krankheit ist in Europa eine sehr seltene Erkrankung. Die meisten Fälle dieser Erkrankung treten im ostasiatischen Raum auf. Die Takayasu-Krankheit ist eine sogenannte Arteriitis, eine Entzündung der Schlagadern. Befallen sind die große Körperschlagader und ihre abgehenden Äste, sowie die Lungenschlagader.

Abbildung:
Takayasu-Aortitis mit angiographischer Darstellung des
Aortenbogens.
Wer ist betroffen?
Die Erkrankung befällt weit überwiegend junge Frauen. Sie tritt gehäuft im Orient auf. Die entzündlichen Veränderungen der Gefäßwand führen überwiegend zu Gefäßverengungen und -verschlüssen, seltener zu Gefäßerweiterungen bzw. Aussackungen (Aneurysma). Wenn die Erkrankung frühzeitig diagnostiziert und optimal behandelt wird, ist die Prognose dieser seltenen Krankheit gut. Leider wird die Krankheit häufig viel zu spät diagnostiziert.
Krankheitsverlauf und Krankheitszeichen
Die Takayasu-Krankheit ist eine in Stadien verlaufende chronische, teilweise durch akute Schübe beschleunigt verlaufende Systemerkrankung.
Krankheitszeichen sind:
- Allgemeine Minderung der Leistungsfähigkeit, Abgeschlagenheit und Schwäche.
- Blutdruckdifferenzen zwischen dem rechten und linken Arm.
- Bluthochdruck bei Teenagern durch Nierenarterienverengungen.
- Oft Nachtschweiß. Gewichtsverlust und leicht erhöhte Temperaturen.
- Nervenärztliche Symptome wie Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel, Schlaganfall.
- Schmerzen in der Armmuskulatur bei Belastungen.
- Bei Befall der Lungenschlagader Atemnot, Zeichen der Herzleistungsschwäche.
- Durch Befall der Koronararterien Angina pectoris, sogar Herzinfarkte.
- Wenn die Gefäße des Bauchraumes betroffen sind (Mesenterialarterien), kann es zu Schmerzen nach dem Essen kommen und es können im fortgeschrittenen Stadium sogenannte Mesenterialinfarkte entstehen.

Abbildung:
* Mikito Takayasu, 1860 - 1939,
japanischer Augenarzt an der Kanazawa Universität Japan
Wie kann Ihr Arzt die Erkrankung diagnostizieren?
Ihr Arzt wird zunächst eine genaue
Vorgeschichte erheben. Er wird Sie
fragen, ob Sie die oben beschriebenen
allgemeinen Symptome haben.
Wichtig ist die Erhebung des Pulsstatus
des Halses sowie der oberen
und der unteren Extremitäten. Bei der
internistischen Untersuchung kann es
durch das Betasten der Halsschlagader
(Arteria carotis) zu Schmerzen
kommen. Die Arterien können abgehört
werden (Auskultation).
Auch das Herz muss abgehört werden,
da die Aortenklappen ebenfalls
befallen sein können (Aortenklappeninsuffizienz).
Wichtig ist auch eine seitenvergleichende
Blutdruckmessung.
Was kann im Labor festgestellt werden?
Die Labordiagnostik ist nicht ergiebig.
Es gibt keine spezifischen Laborbefunde
bei der Takayasu-Krankheit.
Die Blutsenkung kann beschleunigt
sein und andere Entzündungsparameter
im Blut wie das C-reaktive
Protein (CRP) und das Fibrinogen
können erhöht sein. Die weißen Blutkörperchen
(Leukozyten) können ansteigen.
Oft sehen wir eine leichte
Anämie (Blutarmut). Rheumafaktoren
und immunologische Parameter sind
in der Regel negativ.
Vielfach müssen Gefäßdarstellungen
mit Röntgenkontrastmittel durchgeführt
werden (Angiographie). Die Gefäßdarstellung
zeigt das Ausmaß und
das Befallsmuster der Gefäße und oft
lassen sich Wandunregelmäßigkeiten
in den Gefäßlichtungen erkennen.
Neuerdings werden Gefäßdarstellungen
mit der Magnetresonanz-Tomographie
durchgeführt.
Eine extrem wichtige nicht invasive
Untersuchung ist die sogenannte
Ultraschall-Untersuchung der Blutgefäße:
die Farbduplexsonographie.
Auch das Herz muß untersucht werden:
EKG, Belastungs-EKG und Ultraschall
des Herzens (Echokardiographie).
Wie wird die Takayasu-Arteriitis behandelt?
Behandlungsziel bei der Takayasu- Arteriitis ist die Kontrolle der Erkrankung. Die tragende Säule der konservativen medikamentösen Behandlung ist die Behandlung mit Cortison. Dadurch bessert sich nicht nur die Lebensqualität der Patienten, sondern insbesondere auch die Prognose. Die Anfangsdosis liegt heute bei 30 - 50 mg Prednisolon. Nach 2 - 3 Wochen kann die Dosis für eine chronische Behandlung auf 10 mg pro Tag reduziert werden. Zu einem späteren Zeitpunkt ist eine weitere Dosisreduktion möglich. Die Cortisonbehandlung sollte mindestens für 6 - 12 Monate durchgeführt werden. Erst dann kann man einen Auslassversuch diskutieren. Wenn die Cortisonbehandlung nicht anspricht, kann die Gabe von sogenannten Immunsupressiva erforderlich werden, obwohl deren Wirksamkeit bislang noch nicht wissenschaftlich erwiesen ist (Cyclophosphamid, Azathioprin Methotrexat).
Wann muß gefäßchirurgisch operiert werden?
Vielfach müssen Nierenarterienveränderungen
und Veränderungen des
Aortenbogens operiert werden. Auch
wenn es zu schweren Durchblutungsstörungen
der Beine kommt, ist ein gefäßchirurgischer Eingriff vielfach erforderlich.
Bei Störungen an der Aortenklappe
(meist Aortenklappeninsuffizienz)
kann eine Aortenklappenersatz-Operation notwendig werden.
Bei dieser entzündlichen Gefäßerkrankung
sind die Früh- und Spätkomplikationen
nach gefäßchirurgischem
Eingriff etwas häufiger als
bei einer arteriosklerotischen Grunderkrankung.
Verengungen der Nierenarterie werden heute erfolgreich auch mit
Ballon-Katheter (Angioplastie) behandelt.
Langzeitprognose:
Unter adäquater Therapie hat die Takayasu-Krankheit eine gute Prognose. Die 10 Jahres Überlebenszeit unter Ausschöpfung der konservativen wie auch der invasiven Therapie beträgt über 90 %.
Allgemeine Empfehlungen:
Tritt bei jungen Patienten unter 50 Jahren, besonders bei Frauen, ein allgemeines Krankheitsgefühl mit unklaren und unspezifischen laborchemischen Entzündungszeichen auf, besteht ein erhöhter Blutdruck und finden sich die klinischen Zeichen einer Verschlusskrankheit beim Puls- Tast-Befund und beim Abhören der Gefäße, muss dringend an eine Takayasu-Arteriitis gedacht werden.

Abbildung:
Röntgenkontrastdarstellung der Bauchschlagader bei 29-jähriger Patientin mit Takayasu-Arteriitis. Das Bild zeigt eine
hochgradige langstreckige Verengung der ursprünglichen
Bauchschlagader. Die fast verschlossene Bauchschlagader ist
durch einen funktionstüchtigen Bypass überbrückt. So wird
die Blutversorgung beider Beine gewährleistet.




