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Syn.: Systemsklerose, Progressive systemische Sklerose (PSS)
Es handelt sich um eine relativ seltene chronische Systemerkrankung, eine Bindegewebserkrankung, bei der es zu einer Verhärtung und Verdickung der Haut kommt. Auch innere Organe können befallen sein. Es kommt zu einer vermehrten Bindegewebseinlagerung in die Haut und in die inneren Organe, Fibrose oder Sklerose genannt. Die Krankheitsverläufe können sehr unterschiedlich sein und die Schwere der Erkrankung kann erheblich variieren. Meist sind Frauen mittleren Alters betroffen. Die Ursache der Sklerodermie ist noch nicht geklärt (Autoimmunkrankheit? primäre Durchblutungsstörung? Genetische Disposition? Toxische Wirkung von Chemikalien?).

Abbildung:
Typische Veränderungen des Gesichtes:
Straffung der Haut,
das Gesicht wirkt kleiner.
Eine Mimik ist praktisch nicht
mehr möglich.
Typisch ist die Fältelung um den Mund
("Tabaksbeutelmund").
Der Mund lässt sich immer schwieriger öffnen.
Häufig sind Gefäßerweiterungen, sogenannte
Teleangiektasien
(bleibende Erweiterungen kleiner Hautgefäße).
Es werden unterschiedliche Krankheitsformen unterschieden:
Sklerodermie der Akren
Unter Akren verstehen wir Körperteile, die vom Rumpf abstehen. Dazu gehört also der Befall von Finger, Zehen, Hände, Füße, Kinn, Nase.
Diffuse Sklerodermie
Die Erkrankung breitet sich langsam von den Händen zum Rumpf hin aufsteigend aus. Auch innere Organe können beteiligt sein.
Stammsklerodermie
Die Erkrankung beginnt am Rumpf und breitet sich von hier aus.
Die betroffenen Patienten klagen oft über Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Vielfach liegt eine Blutarmut vor (Anämie).
Weiße, kalte Finger: Durchblutungsstörungen als Frühsymptom
Das sogenannte Raynaud-Syndrom ist als frühes Krankheitszeichen typisch. Es kommt dabei durch Krämpfe in den Finger-Blutgefäßen zu schweren Durchblutungsstörungen in den Fingern. Aber auch die größeren Schlagadern der Arme und der Beine können befallen sein. Es kommt dann zu Gefäßverschlüssen und Amputationen drohen.

Abbildung:
Sogenannte "Sklerodaktylie". Durch das Fortschreiten der
Sklerose schrumpft die Haut. Die Endglieder der Finger
werden immer schmäler ("Krallenfinger" oder "Madonnenfinger").
Durch die Hautschrumpfung werden
die Finger in Beugestellung fixiert und verschmälert.
Die Fingerkuppen können absterben, sogenannte "Rattenbissnekrosen").
In über 95 % aller Fälle lassen sich besondere Antikörper im Blut nachweisen. Oft sind die antinukleären Antikörper (ANA) und SCL70 positiv (Antikörper gegen Zellen des eigenen Körpers).
Es handelt sich um eine besondere Verlaufsform der progressiven systemischen Sklerodermie mit Calcinosis cutis (Einlagerung von Kalk unter die Haut), Raynaud- Syndrom, oesophagealer (engl. esophageal) Dysfunktion (Schluckstörung), Sklerodaktylie (dünne, blasse verhärtete Finger) und Teleangiektasien. Zur Diagnostik steht ein Antikörper zur Verfügung der gegen besondere Strukturen der sich teilenden Zellen gerichtet ist (Nachweis von Anticentromeren-Antikörper). Die Prognose dieses Syndroms ist etwas günstiger als bei der progressiven systemischen Sklerodermie, weil Organbeteiligungen später auftreten.
Abbildung:
Typische Veränderungen
beim CREST-Syndrom
einer 58
jährigen Patientin.
Sie zeigt alle Zeichen
einer Sklerodermie
mit den typischen
Gefäßerweiterungen
("Teleangiektasie").
Abbildung:
CREST-Syndrom
mit Fingerendgliednekrosen.
Wichtig ist die lokale Hautpflege mit rückfettenden Salben, regelmäßige Krankengymnastik und Ergotherapie sollen die Beweglichkeit der Haut und des Bindegewebes erhalten bzw. verbessern. Wichtig sind physikalische Maßnahmen wie Wärmeanwendungen, Massagen und Elektrotherapie. Auch Akupunktur kann hilfreich sein.
Zur Behandlung von Patienten mit systemischer Sklerodermie
gibt es derzeit noch keine zuverlässige Basistherapie.
Kortisonhaltige Medikamente und Immunsuppressiva
können das Fortschreiten oft zumindest vorübergehend
aufhalten.
Kortisonhaltige Präparate werden nur bei massiven
Schwellneigungen der Haut und bei Beteiligung von
Herz, Lunge und Nieren angewendet. Spezielle, das Immunsystem
beeinflussende Medikamente sind D-Penicillamin
(DPA), Azathioprin (z.B. Imurek®), Methothrexat
(z. B. Lantarel®), Cyclophosphamid (Endoxan®) und Cyclosporin.
Ein völlig neues Therapiekonzept wird im Moment untersucht:
Eine Kombination von Zellabtötender Behandlung
mit Medikamenten (Zytostatika) mit anschließender
Stammzelltherapie. Es bleibt abzuwarten wie diese
aufwendige Therapie in den wissenschaftlichen Untersuchungen
abschneidet. Auch ein völlig neues Medikament
wird geprüft: Das Medikament heißt Tracleer
TM®. Als Tablette eingenommen soll es bei Sklerodermie-Patienten Lungen- und Gefäßkomplikationen verhindern.
Bei schweren Durchblutungsstörungen, insbesondere
beim sogenannten sekundären "Raynaud-Syndrom" sind erhebliche
Fortschritte gemacht worden. Infusionen mit
Prostaglandinen wie Iloprost (Ilomedin®) und Alprostadil
(Prostavasin®) helfen drohende Amputationen zu
verhindern. Exzellente Erfahrungen machen wir mit der
sogenannte retrograden Perfusion, einer speziellen neuen Methode
zur Verbesserung der Hand/Finger- bzw. Fuß/Zehen-
Durchblutung. Heute gelingt es erfahrenen Spezialisten
selbst bei fortgeschrittenen Durchblutungsstörungen
Extremitäten zu retten.
Der Verlauf und die Ausprägung der Beschwerden und Krankheitszeichen variiert erheblich. Erfreulicherweise liegt nur selten eine Organbeteiligung von Herz, Nieren und Lunge vor. In solchen Fällen liegt die Überlebensrate nach 5 Jahren bei 35 bis 70 %.
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