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Reisevenenthrombose
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Reisevenenthrombose
Wie schütze ich mich vor einer Reisethrombose?
C. Diehm
Was Sie tun können, damit Ihre Reise nicht zu einem Gesundheitsrisiko wird.
Das sogenannte "Economy-Class-Syndrom" ist zu einem Dauerthema unserer Zeit geworden. In der Tat ist jeder Reisende bei mehrstündigen Reisen in beengter sitzender Position einem erhöhten Thromboserisiko ausgesetzt.
Dies gilt vor allem bei Flugreisen, aber auch bei langen Auto-, Bus- oder Zugfahrten. Reisen, die länger als fünf Stunden dauern, bedingen ein fast vierfaches Thromboserisiko.
Wie häufig Reisethrombosen und wie groß das Risiko wirklich ist, ist zur Zeit noch nicht genau bekannt. Reisethrombosen und gar Todesfälle sind keine Einzelfälle, andererseits handelt es sich auf keinen Fall um ein Massenphänomen.
Was versteht man unter einer Reisevenenthrombose?
Es handelt sich um eine Gerinnselbildung in den tiefen Leitvenen der Beine (= Beinvenenthrombose) - mit und ohne Lungenembolie - die in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit einer mehrstündigen Reise in vorwiegend sitzender Position auftritt. Ein zeitlicher Zusammenhang wird auch bei der Entstehung von Krankheitszeichen bis zu zwei Wochen nach Reiseantritt gesehen. Vielfach werden Thrombosen nicht erkannt, weil sie sich bis zu 14 Tagen nach dem Flug manifestieren können.
Die Reisethrombose wird synonym auch als "Flugreisenthrombose", "Fernreisethrombose", "Economy-Class-Syndrom", "Touristenklassen-Syndrom", "Coach-Class-Thrombose", bzw. als "Thrombose des ersten Urlaubstages" bezeichnet.
Warum ist man bei Langstreckenflügen thrombosegefährdet?
- Das starre Sitzen in engen Sitzreihen mit abgewinkelten Beinen führt zu einer erheblichen Einschränkung des venösen Blutrückstromes (langsam fließendes Blut gerinnt leichter). Bei unbewegtem Sitzen wird der Blutfluß sowohl in der Leiste als auch in der Kniekehle abgeklemmt.
- Infolge der extrem niedrigen Luftfeuchtigkeit in der Kabine verdunstet der Körper vermehrt Flüssigkeit (Reduktion der Luftfeuchtigkeit auf 5 bis 10 % nach sechs Stunden Flug). Auch durch die Atmung verliert der Körper viel Flüssigkeit. Das trocknet den Körper aus und führt zu einer Bluteindickung. Übrigens: die Luft in der ersten Klasse ist noch trockener als in den übrigen Klassen.
- Meist ist die Flüssigkeitszufuhr der Fluggäste eingeschränkt.
- Bei Langzeitreisen können die Extremitäten bis zu
1200 Milliliter Flüssigkeit einlagern. Beinschwellungen
sind ein Risikofaktor für Thromboseentstehung.
Ein mittleres, aber bereits erhöhtes Risiko hat:
- wer über 40 Jahre alt ist,
- wer eine Herzleistungsschwäche (med. "Herzinsuffizienz") hat,
- wer an einem Krampfaderleiden oder einer chronischen
Venenstauung leidet, sogenannte Chronisch venöse
Insuffizienz CVI,
- wer übergewichtig ist,
- wer die Pille/Ovulationshemmer einnimmt
- und insbesondere wer raucht und die Pille nimmt.
Ein hohes Risiko hat:
- wer bereits in der Vorgeschichte eine Thrombose
oder Lungenembolie durchgemacht hat,
- wer eine angeborene Blutgerinnungsstörung mit vermehrter
Thromboseneigung hat (nachgewiesene familiäre
Thromboseneigung),
- wer ein Tumorleiden hat,
- wer einen gelenküberschreitenden Gipsverband an
den Beinen trägt,
- wer kurz vor Reiseantritt einen operativen Eingriff mit
hohem Thromboserisiko durchgemacht hat,
- wer schwanger ist.
Ein Verbot für längere Flugreisen besteht:
- bei frischer Thrombose
- und bei frischer Lungenembolie.
Generell gilt, dass jeder - nicht nur der Venenkranke -
auf Langstreckenflügen einem erhöhten Thromboserisiko
ausgesetzt ist. Dies gilt nicht nur für Passagiere
sondern auch für Piloten und andere Besatzungsmitglieder.
Natürlich sind auch Passagiere der Business-Class und der First-Class betroffen.
Wie beugt man einer Reisethrombose vor?
- Am besten frühzeitig einen Gangplatz buchen. Hier
können Sie Ihre Beine besser ausstrecken. Mehr Beinfreiheit
bieten auch Plätze an (Not-)Ausgängen.
- Ein spezieller Reisekompressionsstrumpf schützt effektiv
vor einer Thrombose.
- Venenkranke sollten sich von ihrem Arzt entsprechend
kräftige Kompressionsstrümpfe (Klasse I und
II) verordnen lassen.
- Ein leichter Stützstrumpf reicht vor allem bei einem
vorgeschädigten Venensystem nicht aus.
- Bei längeren Flugreisen sollten auch Venengesunde
leichte Kompressionsstrümpfe tragen.
- Achten Sie auf die Demonstrationen von Übungen,
Filmen, Broschüren des Bordpersonals zur Thromboseprophylaxe.
- Nicht längere Zeit mit übereinandergeschlagenen
Beinen sitzen, sonst staut sich das Blut in den Venen.
- Weite, bequeme Kleidung tragen. Eine enge und vor
allem einschnürende Garderobe behindert den Blutrückfluss.
- Schuhe ausziehen.
- Zehen, Füße und Beine in Bewegung halten! Dadurch
wird der Blutrückfluss wieder angekurbelt.
Viel Bewegung sowohl im Sitzen als auch im Stehen
- Beine nicht übereinanderschlagen.
- Krallen und spreizen Sie Ihre Zehen abwechselnd
kreisende Bewegungen mit den Füßen ausüben;
auch Fußwippen sind geeignet. Sie sollten dabei Ihre
Waden richtig spüren.
- Beine und Füße wenigstens 1x pro Stunde richtig
strecken und so oft wie möglich im Flugzeug umhergehen.
- Ideale Übungen sind Zehen- und Wadenstände im
Wechsel.
Einige Fluggesellschaften haben jeden Sitzplatz mit
einem Trainingsgerät zur Bewegungstherapie ausgestattet
(z. B. ein Zwei-Kammer-Tretluft-Fußkissen:
"Airogym"). Damit können simple gymnastische
Übungen durchgeführt werden.
Wer fliegt sollte viel trinken!
- Denn im Flugzeug ist die Luft trocken. Damit besteht die
Gefahr, dass das Blut eindickt. Ein Richtwert ist 1/4 Liter
pro Stunde. Am besten geeignet sind gasfreies Mineralwasser
oder Frucht- und Gemüsesäfte.
- Vorsicht mit Alkohol und Kaffee
- Alkohol führt zu einer Abnahme des Muskeltonus und
zu einer Erweiterung der Venen. Die Folge: ein verminderter
Rückfluss des Blutes in den Venen.
- Alkohol hat auch entwässernde Eigenschaften und
trägt somit zu einem weiteren Flüssigkeitsverlust bei.
- Auch Kaffee am besten vermeiden.
Keine Beruhigungs- und Schlafmittel!!!
Welche Medikamente zur Vorsorge?
Acetylsalizylsäure
Bei geringem Thromboserisiko kann man vor der Reise
Acetylsalizylsäure (ASS), z. B. Aspirin®, einnehmen; allerdings
ist der Schutzeffekt von Aspirin® vor Venenthrombosen
noch fraglich. ASS hat nur eine mäßige
thrombose-prophylaktische Wirkung.
Venenmittel
Venenmittel sind bislang im Flugzeug nicht ausreichend
untersucht. Sie können deshalb nicht empfohlen
werden.
Anti-Thrombosespritze: Mittel der Wahl
Reisende, die schon einmal eine Thrombose durchgemacht
haben, sollten sich vor sowie am Tag nach ihrer
Reise ein niedermolekulares Heparin spritzen (bei
Rundreisen eventuell einmal täglich eine Injektion). Die
Injektion kann nach Anleitung vom Reisenden selbst
unter die Haut gespritzt werden.
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