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Wie kommt es zu Krampfadern?

Krampfadern:
Eine Zivilisationskrankheit mit zunehmender Tendenz

Venenerkrankungen gehören nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation zu den häufigsten Krankheiten überhaupt und zählen somit zu den "Volksleiden". Venenkrankheiten sind zu einer Zivilisationskrankheit mit zunehmender Tendenz geworden. Allein in Deutschland leiden ca. 32 Millionen Menschen unter leichten Venenbeschwerden. Blieben diese unentdeckt und kommen sogar noch weitere Risikofaktoren hinzu, schreitet die Erkrankung unaufhaltsam fort. Viel zu oft sind Venenkrankheiten früher als Lappalie abgetan worden. Krampfadern oder Varizen, wie man sie in der medizinischen Fachsprache nennt, sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Menschen mit Krampfadern haben ein viel höheres Risiko für Thrombosen und Embolien.

Bereits vor mehr als 2500 Jahren wußten griechische Priester, die gleichzeitig Ärzte waren, um die Problematik von Krampfadern und Thrombosen. Eine 2500 Jahre alte Votivtafel aus den Asklepiostempeln, auf denen Krampfadern dargestellt werden, weist darauf hin.

  • In Deutschland leiden ca. 32 Millionen Menschen unter leichten Venenbeschwerden.
  • Jede 2. Frau und jeder 4. Mann in der Bundesrepublik haben Krampfadern.
  • Jeder 8. Erwachsene ist von einer bereits fortgeschrittenen chronischen Venenerkrankung betroffen.
  • Mehr als 1,2 Millionen Menschen haben ein offenes Bein ("Ulcus cruris") nach meist durchgemachten Thrombosen.
  • Die Zahl der tödlichen Lungenembolien pro Jahr wird in Deutschland auf über 30.000 geschätzt, damit nimmt die Lungenembolie in der Todesursachenstatistik unverändert den 3. Platz ein.

Bild Krampfadern

Abbildung:
Krampfadern


Die Gründe liegen hauptsächlich in unserer ungesunden, bewegungsarmen Lebensweise. Hinzu kommen Übergewicht, zu enge Hosen und Strümpfe, langes Sitzen oder Stehen und ballaststoffarme Ernährung. Allen voran aber steht die erbliche Veranlagung. Bei über 90% aller venenkranken Patienten besteht eine familiäre Veranlagung. Ganz ohne familiäre Disposition entstehen nur selten Krankheiten des oberflächlichen Venensystems.

Auch Hormone, hier die Östrogene und Gestagene, können sich ungünstig auf Patientinnen auswirken, die bereits ein Venenleiden haben. Dennoch muß wegen eines Venenleidens nicht immer auf die "Pille" verzichtet werden. Empfehlenswert sind allerdings Präparate mit einem niedrigen Östrogenanteil. Die "Pille" allein führt in der Regel auch nicht zu einer Thrombose in den tiefen Beinvenen. Es müssen schon zusätzliche andere Risikofaktoren hinzukommen.

Ein weiterer Risikofaktor ist das Alter. Es ist unbestritten, daß in zunehmendem Alter die Anzahl und Ausprägung der Venenerkrankungen ansteigen.

Die wichtigsten Risikofaktoren für Venenkrankheiten sind:

primäre Risikofaktoren

  • erbliche Veranlagung
  • Geschlecht
  • Schwangerschaft und hormonelle Einflüsse

sekundäre Risikofaktoren

  • Alter
  • Übergewicht
  • Stehende Tätigkeit
  • Bewegungsmangel
  • Ungünstige Kleidung

Krampfadern, medizinisch "Varizen" oder "Varikose" oder "Varikosis", sind die häufigsten Erkrankungen der oberflächlichen Beinvenen.

Althochdeutsch wurden im Mittelalter Krampfadern als "Krummader" bezeichnet. Mit dem Wort "Krampf" haben Krampfadern eigentlich nichts zu tun. Im Laufe der Sprachentwicklung ist aus "Krummader" das Wort "Krampfader" entstanden.

Die häufigste Form der Krampfadern ist in über 70% der Fälle die "primäre Varikosis". Ursächlich liegt - wenn man so will - eine angeborene Venenwandschwäche vor. Primäre Varizen entstehen durch eine venöse Stauung, durch Veränderungen der Venenwand und durch nicht mehr funktionierende Venenklappen im oberflächlichen Venensystem.

Die "sekundäre Varikosis" entsteht nicht anlagebedingt durch eine Venenwandschwäche, sondern infolge von Verlegungen oder Verstopfungen (Thrombosen) der tiefen Venen. Wenn die tiefen Leitvenen das anfallende Blut nicht mehr abtransportieren, kommt es zu einem starken Druckanstieg, die Gefäßwände dehnen sich aus und das Blut fließt in falscher Flußrichtung über die Perforatorvenen, die auch als Verbindungsvenen (Venae communicantes) bezeichnet werden. Es kommt zu einem Rückstau ins oberflächliche Venensystem. Unter dem gesteigerten Druck dehnen sich dann die oberflächlichen Venen zylinderartig oder sackförmig aus und es kommt zum typischen Bild einer geschlängelt verlaufenden und erweiterten Krampfader.

Bei der primären Varikosis werden - je nach dem, in welchen Venen des oberflächlichen Venensystems sie auftreten - folgende verschiedene Varizenarten unterschieden:

  • Stammvarikosis
  • Seitenastvarikosis
  • Retikuläre Varikosis
  • Perforansvarikosis
  • Besenreiservarikosis

Was sind Besenreiservarizen?

Die Besenreiservarizen sind winzige, in der obersten Hautschicht verlaufende, kleine rötlich-bläulicher Äderchen, die sich fächerartig ausbreiten. Sie entstehen manchmal ohne ersichtlichen Grund, treten aber gehäuft bei einer Schwangerschaft auf und verschwinden danach oftmals wieder. Am häufigsten treten Besenreiser an der Außenseite der Oberschenkel, seltener am Unterschenkel oder in den Kniekehlen auf. Besenreiser sehen zwar nicht schön aus, meist sind sie aber harmlos. Dennoch sollten auch Besenreiser nicht als Lappalie abgetan werden, da sie auch erstes Anzeichen einer Venenerkrankung sein können.

Wie machen sich Krampfadern bemerkbar?

Die wichtigsten und häufigsten Krankheitszeichen sind:

  • Schwere, müde Beine (vor allem in der warmen Jahreszeit)
  • Spannungsgefühl in den Beinen
  • Geschwollene Unterschenkel und Knöchel, besonders abends
  • Beschwerdezunahme bei längerem Stehen oder Sitzen und bei Wärme
  • Selten: nächtliche Wadenkrämpfe
  • Selten: Kribbeln bzw. Unruhegefühl in den Beinen
  • Rote oder braun pigmentierte Flecken an den Füßen und Beinen

Komplikationen des Krampfaderleidens

Schon durch ein Krampfaderleiden alleine, d.h. es müssen gar keine Thrombosen im tiefen Venensystem abgelaufen sein, können sich Ernährungsstörungen der Haut einstellen. Die Haut kann sich bräunlich verfärben und kann sich verdicken. In fortgeschrittenenen Fällen kann die Haut so verändert werden, dass Unterschenkelgeschwüre oder ein "offenes Bein" (medizinisch: Ulcus cruris) entsteht. Das venöse Beingeschwür ist oft das Endstadium einer chronischen Venenerkrankung.

Durch den gestörten Blutfluß in einer erweiterten Krampfader entwickelt sich nicht selten eine örtlich begrenzte Entzündung. Es kommt zu einer deutlichen Erwärmung und Rötung der betroffenen Vene und es entsteht ein massiver Druckschmerz in diesem Bereich. Wir sprechen in solchen Fällen von einer oberflächlichen Venenentzündung (medizinisch: Variko-Phlebitis).

Der Heilungsverlauf einer Thrombophlebitis kann durch das Entfernen des Gerinnsels durch Eröffnung (Stichinzission) der entzündeten oberflächlichen Venen in örtlicher Betäubung erheblich beschleunigt werden. Meist sind die Patienten dann sehr viel schneller beschwerdefrei.

Durch eine kleinste Verletzung kann auch mal eine Krampfader platzen (medizinisch: Varizenruptur). Es kann so relativ schnell zu einem hohen Blutverlust kommen.

Sofortmaßnahmen bei Krampfaderruptur

  • Hochlagerung des Beines
  • Saubere, am besten sterile Wundauflage und Druckverband
  • Sofort Arzt rufen oder aufsuchen

Wichtig: Wenn es einmal zu einer Varizenruptur gekommen ist, sollte dies Anlaß sein, die Krampfadern behandeln zu lassen!