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Kleine Helfer in der Wundtherapie

Einsatz von Fliegen-Maden und Unterdrucktherapie haben sich bewährt

von Dr. med. Ralph Oberacker

Bild Maden

Die Anzahl der stationären Aufnahmen aufgrund einer nicht heilen wollenden Wunde steigt kontinuierlich. Hauptrisikofaktoren für das Entstehen einer offenen Wunde (Ulcus cruris) sind Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen (sogenannte periphere Arterielle Verschlusskrankheit) und Gefäßentzündungen (sogenannte Vaskulitiden). Ungefähr 15 % aller an Diabetes mellitus erkrankten Menschen leiden an einem offenen Bein. Neben einem kosmetischen Problem sind vor allem der Wundschmerz und das Infektionsrisiko der zerstörten Hautoberfläche die Hauptprobleme der Patienten. Nicht selten endet nach einer langen Odyssee mit unterschiedlichsten Wundbehandlungen das Ganze in einer Amputation.

Damit der Patient eine Chance auf Wundheilung hat, bedarf es verschiedener Strategien. Auf der einen Seite steht die konsequente Behandlung der Grunderkrankung, wie z.B. das Wiedereröffnen eines verschlossenen Gefäßes, im Vordergrund. Hierzu stehen derzeit unterschiedliche Methoden zur Verfügung, wie z.B. das medikamentöse Auflösen eines Gefäßverschlusses (sogenannte Lysetherapie), die Gefäßdilatation (PTA) oder die operative Anlage eines Bypasses um den verschlossenen Gefäßabschnitt herum.

Andererseits ist die lokale Wundbehandlung ebenso ein zentraler Punkt in einer dezidierten Wundbehandlung.

Hierzu haben zahlreiche Hersteller unterschiedlichste Wundauflagen entwickelt, die in den unterschiedlichsten Phasen der Wundheilung zum Einsatz kommen. Oberstes Ziel einer primären Wundversorgung ist die Antisepsis, das heißt, dass die Wunde möglichst frei von Infektionserregern sein sollte. Abgestorbenes Gewebe sollte chirurgisch abgetragen werden, eine großzügige Desinfektion und das Eröffnen von Eiterhöhlen versteht sich von selbst.

Die Wundheilung an sich ist traditionell in drei Phasen unterteilt:

  • Entzündliche Phase
  • Die Granulationsphase, d.h. die Zeit des Zellwachstums
  • Die letzte Phase der Epithelialisierung, die Phase des Wundverschlusses

In der ersten Phase hat sich in den letzten Jahren ein Verfahren etabliert, das der Menschheit eigentlich schon lange bekannt ist: Das Aufbringen von Fliegenmaden auf die Wunde. Bereits im Jahre 1829 während des Ägyptenfeldzuges Napoleons beobachtete dessen Leibarzt Baron Larrey ein besseres Abheilen von Kriegswunden, wenn diese mit Maden besiedelt waren.

Lange Zeit geriet diese Entdeckung in Vergessenheit, ehe in Amerika erste Einsätze in Krankenhäusern viel versprechend erschienen. Heute gehören die Maden der Goldfliege bereits zum Standardprogramm einer dezidierten Wundtherapie in der entzündlichen Phase.

Die noch kleinen Fliegenmaden der Lucilia sericata werden hierzu in Teebeuteln auf die Wunde aufgelegt und verbleiben ca. 4 - 5 Tage auf dieser. Die Maden haben hierbei drei positive Effekte auf die Wundheilung.

Zum einen tragen sie abgestorbenes Gewebe und Beläge auf schonende Art und Weise ab. Hierbei ist vor allem das Sekret der kleinen Tierchen ausschlaggebend. Dieses zersetzt die schädlichen Eiweißverbindungen in ihre Einzelbestandteile, die wiederum von der Made gefressen werden. Ein anderer positiver Effekt ist die antimikrobielle Eigenschaft des Madensekrets, das die Vermehrung der Bakterien verhindert. Schließlich enthält das Madensekret noch dem menschlichen Wachstumshormon IGF ähnliche Bestandteile, so dass eine Förderung des Wundverschlusses ebenfalls erfolgt.

Alles in allem zeigen sich gerade in der Therapie von Wunden auf dem Boden einer entzündlichen Gefäßerkrankung oder beim Diabetes mellitus hervorragende Ergebnisse beim Einsatz von Fliegenmaden. Ein weiteres modernes Verfahren zur Wundtherapie kommt in der Granulationsphase, das heißt in der Phase, in der es darum geht die Zellvermehrung zu fördern, zum Einsatz. Die sogenannte Vakuumtherapie fördert mit "Unterdruck" ein schnelleres Zellwachstum.

Hierbei wird auf die Wundfläche ein unterschiedlich poröser Schaum aufgelegt, der über ein Schlauchsystem mit einer Unterdruckkammer verbunden ist. Dies ist im Idealfall eine Pumpe mit kontinuierlichem Sog.

Das Vakuum hat auf die Wunde unterschiedlich positive Effekte.

Neben einer kontinuierlichen Ableitung des Wundsekretes, einer Reduktion der Umgebungsschwellung und eines Abtransportes von Bakterien, bietet es in erster Linie einen Wachstumsreiz für die Zellen, die an der Wundheilung beteiligt sind. Dieser Wachstumsreiz kann im Idealfall die Zeit bis zum Abschluss der Wundheilung um den Faktor 2,5 verkürzen. Ein Vorteil also für Patient und Arzt.

In der letzten Phase der Wundheilung finden dann wieder herkömmliche Wundverbände Verwendung. Zuvor allerdings ist aus unserer Sicht der Einsatz der Vakuum- und Madentherapie eine echte Alternative und Fortschritt in der Behandlung von gefäßmedizinischen Problemwunden.