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Herzinfarkt
Der Angriff auf Ihr Herz und wie Sie sich wehren können.
Das Wichtigste über Herzinfarkt und seine Folgen
Mit jedem Schlag pumpt unser Herz etwa 70 Milliliter Blut durch unsere Adern. Das sind ca. 7.000 Liter am Tag und ca. 2,5 Millionen Liter im Jahr.
Unser Herz erledigt diese Aufgabe leicht, zuverlässig und normalerweise völlig klaglos. Das einzige, was es dafür verlangt, ist Energie. Es muß ständig gut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Einen Mangel daran verträgt das Herz nur kurze Zeit.
Aber dazu kommt es normalerweise auch nicht. Die Natur hat vorgesorgt. Die Blutversorgung des Herzens ist sehr gut und wird über eigene Blutgefäße, die Herzkranzarterien, sichergestellt.
Bei einem Herzinfarkt kommt es zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung oder Durchblutungsnot des Herzens.
Sauerstoff und Nährstoffe stehen daher immer ausreichend zur Verfügung. Es sei denn, die Blutzufuhr wird unterbrochen. Und genau dies geschieht beim Herzinfarkt.
Die Ursache: eine der Herzkranzarterien wird plötzlich verstopft. Die Folge: die Herzmuskelzellen werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, können nicht mehr arbeiten und gehen schließlich zugrunde, wenn die Durchblutungsstörung nicht schnell beseitigt wird.
Herzmuskelzellen reagieren sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel.
Welche Auswirkungen dieser Vorgang hat, hängt davon ab, an welcher Stelle der Herzkranzarterie der Verschluß liegt: Wurde die gesamte Arterie verschlossen, sind die Folgen schwerer als bei einem Verschluß eines kleinen Gefäßastes.
Für das Verstopfen eines Blutgefäßes ist ein Blutgerinnsel verantwortlich.
Für das Verstopfen einer Herzkranzarterie ist ein Blutgerinnsel verantwortlich, das sich in der Arterie bildet. Sehr selten kann der Verschluß auch durch eine Entzündung oder einen Krampf der Gefäßmuskulatur ausgelöst werden.
Aber warum entsteht ein Blutgerinnsel in der Herzkranzarterie?
Die Ursache liegt wie bereits beschrieben meist in einer Arteriosklerose.
Alles was die Entwicklung einer Arteriosklerose fördert, fördert also auch die Entstehung eines Herzinfarkts. Wir nennen solche schädlichen Einflüsse "Risikofaktoren".
Wie man dem Herzinfarkt vorbeugen kann
Die beste Maßnahme gegen den Herzinfarkt: die Vorbeugung.
In der Behandlung des Herzinfarkts sind große Fortschritte erzielt worden. Aber die beste Strategie gegen den Herzinfarkt lautet nach wie vor: Es gar nicht erst dazu kommen lassen!
Dafür müssen vorhandene Risikofaktoren erkannt und konsequent bekämpft werden. Zusätzlich stehen dem Arzt verschiedene Medikamente bzw. Verfahren zur Verfügung, die er je nach Lage der Dinge einsetzen kann, um einen ersten oder einen weiteren Herzinfarkt zu verhüten.
Konsequente Bekämpfung der Risikofaktoren mindert auch die Gefahr eines Schlaganfalls.
Hier können sie selbst am meisten für sich tun. Und alle erzielten Erfolge lohnen in mehrfacher Hinsicht: Sie senken nicht nur das Risiko für einen Herzinfarkt, sondern auch für einen Schlaganfall oder andere gefäßbedingte Krankheiten.
Was Sie gegen die jeweiligen Risikofaktoren unternehmen können, finden Sie in der Rubrik Risikofaktoren.
Medikamente
Thrombozytenfunktionshemmer
Erinnern Sie sich an das Blutgerinnsel, das sich in einer arteriosklerotisch veränderten Arterie bilden kann? Genau hier setzen Substanzen an, die als Thrombozytenfunktionshemmer bezeichnet werden.
An der Entstehung eines Blutgerinnsels (Thrombus) sind die Blutplättchen (Thrombozyten) maßgeblich beteiligt. Sie sind spezialisierte Blutzellen, die eine Verletzung des Gefäßes erkennen und sofort versuchen, die betroffene Stelle abzudichten. Und das ist auch gut so, da sonst selbst kleine Wunden gefährlich werden könnten.
Bei der Arteriosklerose liegt der Fall ein wenig anders: hier bildet sich das Gerinnsel ja unerwünschterweise in der Arterie und verschließt sie im schlimmsten Fall. Und das gilt es natürlich zu verhindern.
Thrombozytenfunktionshemmer wirken auf die Blutplättchen und beeinflussen sie so, dass die Gefahr der Gerinnselbildung (Verklumpung) deutlich vermindert wird. Und damit das Risiko für einen Herzinfarkt. Die normale Blutstillung, die wir ja weiter brauchen, bleibt weitgehend erhalten.
Eine Substanz aus dieser Gruppe ist Ihnen wahrscheinlich bekannt: die Azetylsalizylsäure (ASS). Eine neuere Entwicklung ist das Clopidogrel (Iscover®, Plavix®).
Wie schon gesagt, kann die weitere Entwicklung einer Arteriosklerose zwar verlangsamt werden. Die vorhandenen Schäden bilden sich aber wohl nicht mehr zurück. So bleibt ein Risiko bestehen. Die Behandlung muss daher auf Dauer fortgeführt werden.
Gerinnungshemmer
Bestimmte Formen der Blutgerinnsel lassen sich besser mit Substanzen verhindern, die nicht auf die Blutplättchen wirken, sondern die Gerinnungsfähigkeit des Blutes auf andere Weise herabsetzen. Man nennt sie auch "Gerinnungshemmer" oder "Antikoagulantien".
Sie werden meist nur dann eingesetzt, wenn die Gefahr einer Gerinnselbildung im Herzen besteht - wie bei bestimmten Herzrhythmusstörungen, nach einem sehr großen Herzinfarkt oder nach Herzoperationen.
Betablocker
Betablocker wirken wie ein "Beruhigungsmittel" auf das Herz. Bei körperlichen und seelischen Belastungen kommt es so zu einem geringeren Anstieg von Puls und Blutdruck. Das Herz benötigt dadurch weniger Sauerstoff. Außerdem beugen Betablocker einem unregelmäßigen Herzschlag vor.
Operative Verfahren
Es besteht auch die Möglichkeit, eine verente Herzkranzarterie wieder zu erweitern oder eine "Umleitung" um die Engstelle zu legen. WElches Verfahren angewendet wird, hängt von Anzahl und Sitz der Gefäßverengungen ab.
Am häufigsten kommen die Ballondilatation zum Einsatz. Hier wird ein Katheter durch die Engstelle geschoben. Dann wird ein Balon aufgepumpt, der die arteriosklerotischen Verengungen zurückdrängt. Die Engstelle wird also aufgedehnt, das Gefäß ist wieder offen. Damit die Stelle auch durchgängig bleibt, kann eine Gefäßstütze, ein sogenannter Stent, eingesetzt werden. Sind viele Engstellen vorhanden, kann eine Bypassoperation vorteilhafter sein. Die jeweilige Engstelle wird durch eine Umleitung umgangen.
Was kann ich sonst noch tun?
Arbeiten Sie eng und vertrauensvoll mit Ihrem Arzt zsammen. Ändern Sie nicht Ihre Medikamente, ohne Rücksprache mit ihm zu halten. Und scheuen Sie sich nicht, noch einmal nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.
Warnsignale: Wenn sich ein Herzinfarkt ankündigt
Der Herzinfarkt kommt meist nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Vielfach kündigt er sich durch Warnsignale an. In diesem Fall ist die Blutversorgung des herzens nur vorübergehend gestört. Aber auch hier ist die Ursache meistens eine durch die Arteriosklerose geschädigte und verengte Herzarterie.
Die Symptome dauern häufig nur wenige Minuten. In der Fachsprache nennt man dies einen Angina-pectoris-Anfall ("Enge der Brust", wegen des Engegefühls, das die Patienten oft verspüren). Zunächst treten die Symptome bei körperlicher oder psychischer Belastung, später eventuell auch in Ruhe auf.
Warnsignale ernst nehmen! Sofort den Arzt aufsuchen!
Hier besteht die große Chance, Schlimmeres zu verhüten. Man muss die Warnzeichen allerdings ernst nehmen. Sie sind nämlich nicht immer stark ausgeprägt und könne nach kurzer Zeit schon wieder vorbei sein. Aber es droht große Gefahr!
Informieren Sie sofort Ihren Arzt, wenn Sie folgende Symptome zum ersten Mal an sich bemerken oder wenn sich der Verlauf Ihres Angina-pectoris-Anfalles irgendwie verändert:
Die Warnsignale
- Druck- und Beklemmungsgefühl in der Brust.
- Brustschmerzen, die in die Schulter, Arme ausstrahlen können. Ausstrahlung u.a. auch in Hals, Kiefer, Nacken und Bauch.
- Herzstiche.
- Atemnot.
- Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern, unregelmäßiger Herzschlag).
Es ist jedoch auch möglich, dass solche Anfälle stumm ablaufen, d.h. die/der Betroffene spürt nichts und hat keine Schmerzen. Einzige Hinweise können eine geringere Belastbarkeit oder eine unter Belastung auftretende Atemnot sein. Deshalb sollten sich Menschen, in deren Familie Herzerkrankungen gehäuft vorkommen oder die beruflich stark belastet sind, regelmäßig untersuchen lassen.
Ein Angina-pectoris-Anfall lässt sich mit Nitrat-Medikamenten (Nitroglyzerin, kurz "Nitro") beherrschen. Nitrate führen zu einer raschen Entlastung des Herzens und senken seinen Sauerstoffverbrauch. Die Symptome lassen dann schnell nach. Ist dies nicht der Fall, sollte sofort der Notarzt gerufen werden: es leigt möglicherweise ein Herzinfarkt vor.
Fahren Sie nicht alleine in die Klinik!
Notfall Herzinfarkt
Beim Herzinfarkt ist jede Minute kostbar. Nicht zögern, Notarzt rufen!
Gleichgültig, wo und wann ein Herzinfarkt auftritt, entscheidend ist die schnelle ärztliche Hilfe. Es zählt jede Minute: nicht darauf warten, dass die Schmerzen besser werden, nicht zögern, sondern sofort den Notarzt oder die "112" anrufen!




