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Wir wissen, was zu tun ist: Warum tun wir es nicht?

Die Behandlung von Herz- und Gefäßerkrankungen hat in den letzten Jahrzehnten faszinierende Fortschritte gemacht. In den USA sprach die Amerikanische Herzgesellschaft von einem "Century of Advances" - einem Jahrhundert der Fortschritte auf dem Gebiet der Gentherapie, bei der Kernspintomographie sowie bei den Ballon-Katheter-Verfahren und im Bereich der Kinderherz-Chirurgie.
Die Arteriosklerose-Ursachen und die Risikofaktoren der Arteriosklerose sind weitgehend bekannt. Der Fortschritt dringt allerdings nicht bis in die Peripherie vor. Hinzu kommt, daß wir immer älter werden und die wichtigsten Risikofaktoren wie Zigarettenrauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Zuckerkrankheit sowie Fettsucht länger auf die Menschen einwirken können. Auch die zunehmende "Verstädterung" der Menschen führt nicht zu einer erwünschten Veränderung des Lebensstils mit mehr körperlicher Aktivität, weniger ungesunden, gesättigten Fettsäuren (fast-food). Auch die Nikotinsucht nimmt eher zu, als ab.
Was wir brauchen ist nicht nur eine "Taskforce" im Fußball, sondern auch bei der Vorbeugung von Herz- und Gefäßerkrankungen. Wenn es erst zu einem Herzinfarkt oder zu Gefäßverschlüssen mit peripheren Durchblutungsstörungen und Schlaganfällen gekommen ist, ist es oft insgesamt schon zu spät. Die Feuerwehr-Mentalität der modernen Akutmedizin hilft gottseidank in vielen Fällen. Kausal kann damit aber die Arteriosklerose nicht besiegt werden. Dies ist langfristig nicht mit einer "Feuerwehr-Mentalität" sondern eher mit einer "Gärtner-Mentalität" zu erreichen.
Eine elementare Rolle spielt dabei der Hausarzt. Er kennt seine Patienten und deren Familien am besten. Er sollte wieder langfristig begleiten, auch beim Management der Risikofaktoren.
Aber natürlich sind auch die Selbsthilfegruppen gefragt, sowie die Stiftungen und die Ligen, die sich mit Gefäßkrankheiten beschäftigen. Und auch von Seiten der Klinikärzte bedarf es eines intensiveren Engagementes. Die Amerikanische Herzgesellschaft hat dies erkannt, wie ein Zitat des vorletzten Präsidenten der American Heart Association zeigt: " Wir identifizieren uns wenig mit unseren Zielen. Wir erwarten, daß die nachgeordneten Versorgungsstufen, die "Anderen", die Überzeugungsarbeit für die Vorbeugung (Prävention) leisten. Wenn wir nicht begreifen, daß auch wir dahinter stehen müssen, und diese Ziele wollen, begründen, und verteidigen, versagen wir. So banal ist das."
Revolutionierende Innovationen durch neue Medikamente und auf medizin-technischem Gebiet machen nur Sinn, wenn unser Patient in den Genuss des Fortschritts kommt, nicht zuletzt auch, wenn unser Gesundheitssystem bereit ist, die Fortschritte adäquat zu honorieren.
Ihr
Prof. Dr. med. C. Diehm
Vorsitzender der Deutschen Gefäßliga e.V.
Internist - Kardiologe - Angiologe - Phlebologe
am SRH-Klinikum Karlsbad-Langensteinbach
http://www.curt-diehm.de
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