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Diabetisches Fußsyndrom
Diabetisches Fußsyndrom - Druckansicht
Das diabetische Fußsyndrom
von Dr. med. Ruth Spranger
Wie wichtig unsere Füße sind,
bemerken wir erst dann, wenn
irgend etwas nicht in Ordnung damit
ist und wir in unserer Mobilität
eingeschränkt sind. Bis dahin halten
wir unsere Fortbewegungsmöglichkeit
per pedes für selbstverständlich!
Aber gerade die Bedeutung
unserer Selbständigkeit,
die direkt von unserer Mobilität
abhängt, sollte unser Augenmerk
auf die Pflege unserer Füße lenken.
Insbesondere beim Diabetiker gibt
es Veränderungen, die die Füße
stark belasten und zu Immobilität
und Abhängigkeit führen können.
Im Wesentlichen gibt es durch den
veränderten Zuckerstoffwechsel
zwei Risiken:
1. Die periphere Neuropathie
Darunter versteht man eine Nervenschädigung,
die vor allem zu
Gefühlsstörungen, auch Mißempfindungen
beider Beine führt, die
strumpfförmig bei den Füßen
beginnt und sich über die Unterschenkel
nach oben hin fortsetzt.
Diese Veränderung führt dazu, dass
der Betroffene eine eingeschränkte
Schmerzempfindung hat.
Das Fatale daran ist, dass der Betroffene
selbst auch unter extremen
Belastungen zunächst keinerlei
Beschwerden und deshalb auch
keine Bedenken bezüglich der
Verletzungsgefahr seiner Füße hat.
Das hat typischer Weise zur Folge,
dass Druckbelastungen durch Fußfehlstellungen
oder unpassendes
Schuhwerk den Fuß so angreifen
kann, dass Hautdefekte, medizinisch
als Ulcerationen benannt, entstehen.
Aber auch übermäßige Hitzeeinwirkung,
wie z.B. durch heiße
Wärmflaschen, zu heiße Fußbäder,
bleiben ohne Schmerzempfinden
und können zu praktisch unbemerkten
Verbrennungen führen.
Diese Hautläsionen entzünden sich,
Bakterien setzen sich darin fest und
führen zu z.T. massiven
Veränderungen des Fußes mit
Infektion und Zerstörung des
Weichteil- sowie Knochengewebes
Anzeichen für eine Nervenschädigung:
Kribbeln und Brennen der Füße
und Beine, vor allem nachts
Taubheitsgefühl der Füße
Unsicherheit beim Gehen
("wie auf Watte gehen")
2. Die periphere arterielle
Verschlusskrankheit (PAVK)
Unter der sogenannten PAVK ist
eine Durchblutungsstörung der
Beine zu verstehen. Ursächlich liegen
Veränderungen der zuführenden
Blutgefäße = Arterien vor, die
zu einer eingeschränkten Versorgung
der Beine mit Sauerstoff und
Nährstoffen führt. Verkalkungen
der Gefäßwände bedingen Einengungen
der Blutbahnen und somit
einen verminderten Blutfluss.
Unter kritischen Bedingungen wie
Druckbelastungen oder direkten
Verletzungen der Haut im Sinne
von Schnittverletzungen fehlt eine
ausreichende Versorgung des Gewebes.
Es kommt zu Wundheilungsstörungen,
die zu einem völligen
Absterben von Zehen führen
können. Endpunkt dieser fatalen
Veränderungen ist die Amputation.
Anzeichen einer Durchblutungsstörung:
- Wadenkrämpfe beim Gehen
- Linderung durch Stehen bleiben oder
Füße aus dem Bett hängen lassen
-
Blasse, kalte Füße
-
Schmerzhafte Zehenrötung
-
Schlecht heilende und stark schmerzhafte
Wunden
Was kann man tun? Vorbeugen:
Durch gute Blutzuckereinstellung
- Kennen Sie Ihren HbA1c-Wert?
- Haben Sie eine Diabetesschulung
besucht?
-
Unterziehen Sie sich regelmäßigen
Untersuchungen bei einem
diabetologisch qualifzierten Arzt?
Durch tägliche Kontrolle der Füße
- Ist die Haut rissig und trocken?
- Blasen, Druckstellen, Schwielen
vorhanden?
- Kleine Verletzungen, Läsionen zwischen
den Zehen?
- Anzeichen einer Entzündung:
Rötung, Schwellung, Überwärmung?
- Fußnägel verdickt, gelb verfärbt?
Durch tägliche Fußpflege
- Füße waschen, Fußbad:
Temperatur nicht höher als 37 Grad,
Dauer 3 - 5 Minuten
- Füße gründlich trocknen, vor allem
zwischen den Zehen
- Überschüssige Hornhaut mit Bimsstein
entfernen
- Zehennägel feilen (verboten sind: Schere,
Zange; Knipser, Hornhauthobel, sonstige
spitze und scharfe Gegenstände)
Bequemes Schuhwerk
- Die Schuhe sollen weich und bequem,
ohne starke Nähte und weit genug sein,
um Druckstellen zu vermeiden
-
Neue Schuhe sollte man nachmittags
kaufen, erst zuhause 1/2 - 1 Stunde
mehrfach tragen und auf Reibung und
Druck am Fuß achten
Bei Verletzungen oder Anzeichen
einer Entzündung sollten Sie sofort
zum Arzt gehen!
Die genannten Komplikationen
können vermieden werden, wenn
Betroffene geschult sind und regelmäßige
Kontrolluntersuchungen
durch einen Spezialisten erfolgen.
Ratschläge für Patienten
mit diabetischem Fußsyndrom
von Prof. Dr. med. C. Diehm
Richtige und regelmäßige Fußpflege
- Inspizieren Sie Ihre Füße täglich!
Auch in den Zehenzwischenräumen
und an den Sohlen.
Nehmen Sie eventuell einen
Handspiegel zur Hilfe (Suche
nach Rissen, Hornhautschwielen,
Rötungen, Blasen, Nagelveränderungen).
- Achten Sie drauf, dass auch Ihr
Arzt regelmäßig die Füße untersucht.
Auf Verfärbungen unter
den Nägeln achten!
- Schwielen sind ein wichtiges
Warnsignal für eine zu starke
Druckbelastung.
- Halten Sie die Füße warm und
trocken.
- Füße täglich lauwarm (ca. 37 Grad),
nicht länger als 5 Minuten
baden (Fußbad mit rückfettenden
Substanzen verwenden).
Bei Gefühlsstörungen Temperatur
vor dem Fußbad mit dem
Ellbogen oder dem Thermometer
prüfen. Mit einem weichen
Handtuch gut abtrocknen.
- Nach dem Waschen Haut auch
zwischen den Zehen sorgfältig
abtrocknen, dann Füße eincremen
(neutrale aber fetthaltige
Creme vor allem bei trockener
und rissiger Haut im Bereich der
Ferse und der Sohle).
Zehenzwischenräume wegen
Mazerationsgefahr (Aufweichen
der Haut) nicht eincremen.
- Nur weiche Strümpfe aus Naturmaterial
(100 % Baumwolle oder 100 % Wolle) tragen.
- Extreme Vorsicht bei der Fußpflege!
Vorsicht mit spitzen Hilfsmitteln.
Verbot von Nagelschere/-zange,
Hautmesser, Hornhauthobel
und Rasierklingen.
Verboten sind alle Hühneraugenmittel,
auch Salizylpflaster!
- Weisen Sie die Fußpflege immer
sofort auf Ihre Zuckerkrankheit
hin! Das Kürzen der Nägel sollte
vorzugsweise mit Feilen erfolgen.
- Hornhaut mit Bimsstein entfernen.
Niemals barfuß gehen! Verletzungsgefahr!
In öffentlichen Bädern
droht Fußpilzgefahr! Am
Strand und beim Baden stets
Badeschuhe tragen.
- Pilzinfektionen und Hühneraugen
müssen vom Arzt behandelt
werden. Bei hartnäckigen
Nagelpilzen müssen sowohl
Medikamente eingenommen als
auch die Nägel mit speziellem
Nagelpflegemittel behandelt werden.
Zur Langzeitbehandlung
empfiehlt sich ein Fußbalsam.
- Keine einschnürenden Socken
oder Strumpfbänder oder Kompressionsbinden
tragen. Sie stören die Durchblutung.
Die richtigen Schuhe sind
für Diabetiker sehr wichtig!
- Achten Sie darauf, dass Ihre
Schuhe gut sitzen und bequem
sind (weich und nicht einengend.
"Die Zehen brauchen Luft").
- Spezialschuhe mit weichem
Oberleder ohne Zehenkappe
und gepolsterter Innensohle
vermeiden Druckschäden am
nervengestörten Fuß!
- Sandalen sind nicht empfehlenswert!
Niemals Riemen zwischen
den Zehen tragen.
Vorsicht beim Schuhkauf!
- Schuhe am frühen Nachmittag
kaufen, weil da Ihre Füße
Normalform haben.
- Schuhe sollten kein Kunststoffmaterial
enthalten.
- Neue Schuhe zunächst nur stundenweise
"einlaufen". In dieser
Zeit ist besondere Vorsicht geboten.
- Beim Kauf von Sportschuhen
besonders vorsichtig sein, da
die Füße beim Sport besonders
beansprucht werden!
- Bei Fußdeformitäten müssen die
Schuhe vom orthopädischen
Schuhmacher speziell angefertigt
werden.
- Besondere Vorsicht auch bei
neuen Einlagen!
- Untersuchen Sie Ihre Schuhe
regelmäßig auf Fremdkörper
(spitze Kanten, innen liegende
hervorstehende Nähte, einschnürende
Schuhbänder, Steinchen
etc.)
Vermeiden Sie jegliche
direkte Hitzeeinwirkung
- Keine Wärmeflasche, kein Heizkissen,
keine warmen Fußbäder,
keine Thermalbäder, keine
warmen Schlammpackungen,
keinen Fön
- Vorsicht vor Sonnenbrand!
- Wechselbäder nur nach Rücksprache
mit dem Arzt!
- Bei der geringsten Verletzung
sofort zum Arzt!
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