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Hypertonie - Bluthochdruck

Der Bluthochdruck als Risikofaktor für Gefäßkrankheiten

Der Bluthochdruck (Hypertonie) ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz- und Gefäßerkrankungen. Der erhöhte Blutdruck kann unterschiedliche Ursachen haben (Nierenerkrankungen, hormonelle Störungen, Stoffwechselerkrankungen, Übergewicht, psychischer Streß etc.) Der obere Grenzwert des Blutdrucks sollte 140/90 mmHg nicht überschreiten. Von einem Bluthochdruck spricht man nach der WHO bei Blutdruckwerten von über 160/95 mmHg. In Deutschland haben nur 54,5 % der Bevölkerung normale Blutdruckwerte, wenn man von der WHO-Definition ausgeht.

oberer Wert (mmHg)

unterer Wert (mmHg)

Normalwert

<130

<85

Grenzwert

<130-139

85-89

Milder Bluthochdruck

<140-159

90-99

Mäßiger Bluthochdruck

<160-179

100-109

Schwerer Bluthochdruck

<180-209

110-119

Sehr schwerer Bluthochdruck

>210

>120

Bluthochdruck verursacht Herzinfarkt und Schlaganfall

Man geht davon aus, daß ein untere Blutdruckwert (diastolischer Blutdruck) von 105 mmHg das Herzinfarktrisiko verdoppelt und das Schlaganfallrisiko vervierfacht. Es besteht eine Beziehung zwischen Bluthochdruck, Übergewicht und Fettgehalt der Nahrung. Es ist zudem bekannt, daß ein hoher Salzkonsum zu erhöhten Blutdruckwerten führt. Auch Gewichtszunahme erhöht den Blutdruck. Durch eine konsequente Gewichtsreduktion sowie durch eine fettarme, vegetarisch ausgerichtete Ernährung kann eine Senkung des Blutdrucks erreicht werden.

Konsequenzen für die Behandlung des Bluthochdrucks

Es geht beim Bluthochdruckpatienten nicht nur darum, den erhöhten Blutdruck zu normalisieren. Alle weiteren Risikofaktoren müssen darüberhinaus wirkungsvoll angegangen werden (erhöhte Blutfette, Rauchen, Zuckerkrankheit). Zuckerkranke Patienten haben - auch bei mildem Bluthochdruck - und ohne zusätzliche Risikofaktoren ein hohes Gesamtrisiko. Insbesondere zuckerkranke Patienten brauchen eine strenge Blutdruckeinstellung mit Blutdruckwerten deutlich unterhalb 140/90 mmHg.

Zielwerte des Blutdrucks unter antihypertensiver Therapie nach der Deutschen Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdrucks.

  • Im Regelfall mindestens < 140/90mmHg
  • Bei Patienten mit Diabetes mellitus < 130/80 mmHg
  • Bei Patienten mit Nephropathie < 130/85 mmHg
  • Bei isolierter systolischer Hypertonie < 160 mmHg
  • In der Schwangerschaft < 170/110 mmHg
  • Erstrebenswert: bei Patienten im jüngeren und mittleren Lebensalter < 130/85 mmHg

Als Basismaßnahmen sind wichtige Allgemeinmaßnahmen die

  • Beseitigung des Übergewichts.
  • Beschränkung des Kochsalzkonsums auf < 6 g/Tag,
  • Senkung des Alkoholkonsums auf unter 30 g/Tag sowie
  • Anleitung zu regelmäßiger körperlicher Aktivität.
  • Kontrolluntersuchungen beim Arzt erfolgen alle drei Monate.
  • Der Patient sollte geschult werden, seinen Blutdruck selbst regelmäßig zu kontrollieren. Wenn nach den beschriebenen Allgemeinmaßnahmen der Blutdruck über 150/95 mmHg bleibt, ist eine medikamentöse Behandlung dringend erforderlich.

Optimal sind Werte unter 120/80 mm Hg,
normal sind Werte unter 130/85 mmHg.

Ratschläge für Patienten mit Bluthochdruck (Hypertonie)

Zur Blutdruckmessung

  • Führen Sie ein Blutdruckprotokoll. Es erleichtert die medikamentöse Einstellung.
  • Erlernen Sie unbedingt die Blutdruckselbstmessung. Legen Sie Ihr Blutdruckprofil bei jeder Gelegenheit Ihrem Arzt vor.
  • Die Messung des Blutdrucks an den Oberarmen ist zuverlässiger als die Messungen an den Unterarmen.
  • Messen Sie Ihren Blutdruck an beiden Oberarmen. Der höher gemessene Wert ist Ihr Richtwert.
  • Jede Blutdruckmessung stellt nur eine Momentaufnahme dar. Messen Sie zu verschiedenen Tageszeitpunkten. Kontrollieren Sie den Blutdruck an Werktagen und am Wochenende. Messen Sie Ihren Blutdruck auch mal morgens nach dem Aufwachen noch im Bett - und abends vor dem Einschlafen.
  • Ein wichtiges Instrument zur Einschätzung Ihres Hochdrucks ist die Langzeit - Blutdruckmessung. Die Ergebnisse dieser Methode sind oft zuverlässiger als die der gelegentlichen Blutdruckmessung in der Praxis ("Weißkittel-Hochdruck").

Übergewicht reduzieren

Übergewicht begünstigt die Entstehung und das Fortbestehen des Hochdrucks. Eine Gewichtsnormalisierung führt bei Übergewichtigen zu einer deutlichen Abnahme des Blutdrucks, meist sogar zu einer Blutdrucknormalisierung. Die Gewichtsabnahme ist die wichtigste nichtmedikamentöse Maßnahme in der Hochdruckbehandlung.

Wichtig ist insbesondere, dass Ihre Taille nicht dicker ist als Ihre Hüfte, weil sonst das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten deutlich erhöht ist.

Wichtige Tips zur Gewichtsreduktion:

  • Vermeiden Sie sichtbares und unsichtbares Fett (z.B. Wurstwaren, vollfette Käsesorten).
  • Essen Sie weniger (rotes) Fleisch, dafür mehr Geflügel und Seefisch.
  • Essen Sie bevorzugt ballaststoffreiche Nahrungsmittel (Kartoffeln, Vollkornbrot, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse).
  • Sie sollten Ihre Tagesration auf mehrere kleine Mahlzeiten verteilen. Dadurch vermeiden sie Heißhunger, der zu unkontrolliertem Essen verführt.

Kochsalzkonsum verringern!

Der tägliche Kochsalzbedarf des Menschen liegt bei 2 - 3 Gramm täglich, wohingegen in Deutschland im Durchschnitt 10 - 12 Gramm Kochsalz pro Tag konsumiert wird. Die tägliche Kochsalzzufuhr sollte nicht über 6 - 8 Gramm liegen.

Tipps zum Einsparen von Kochsalz

  • Kein Salzfässchen auf den Tisch, niemals nachsalzen.
  • Vermeiden Sie kochsalzreiche Kost (Gepökeltes, Wurstwaren, eingelegten Fisch).
  • Würzen Sie mit reichlich Kräutern und reinen Gewürzen anstatt mit Salz ("nicht salzen, sondern würzen")!
  • Vermeiden Sie Fertiggerichte (sie enthalten zuviel Kochsalz).
  • Nur Getränke mit niedrigem Kochsalzgehalt verwenden. Leitungswasser und alle mit Leitungswasser hergestellten Getränken (Tees, Fruchtsäfte) enthalten praktisch kein Kochsalz. Trinken Sie bevorzugt kochsalzarmes Mineralwasser.

Rauchen einstellen!

Rauchen fördert die Arteriosklerosenentstehung und somit Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Becken-Beinarterien. Das Rauchen einer einzigen Zigarette erhöht Ihren Blutdruck für 20 - 30 Minuten um 5 bis 20 mmHg.

Nikotinkonsum stellt einen bedeutsamen zusätzlichen Risikofaktor dar und sollte daher konsequent unterbleiben.


Körperliche Bewegung steigern!

Täglich mindestens 20 Minuten, weniger als zweimal zwanzig Minuten pro Woche sollten es allerdings nicht sein.

Als Faustregel gilt. Dass eine Pulsfrequenz von 170 bis 180 Schläge pro Minute minus dem Lebensalter nicht überschritten werden sollte. Auf jeden Fall sollte die körperliche Betätigung Spaß machen.

Unabhängig von der Blutdrucksenkung entfaltet Bewegung weitere günstige Effekte, beispielsweise auf die Blutfette, den Blutzuckerspiegel und den Sauerstoffverbrauch des Herzens; außerdem wird Streß abgebaut.

Wichtige Tips zum Sport bei Hochdruckpatienten

Besprechen Sie Ihre sportlichen Aktivitäten immer mit Ihrem Hausarzt.

  • Ihre Pulsfrequenz sollte 180 minus Ihr Lebensalter nicht überschreiten (kontrollieren Sie Ihren Puls mit einer Pulsuhr).
  • Verändern Sie Ihren bewegungsarmen Lebensstil: Benutzen Sie lieber die Treppen statt Lift. Lassen Sie Ihr Auto für kurze Wege stehen und gehen Sie mehr zu Fuß.
  • "Walking" (schnelles Gehen) dreimal pro Woche für 30 Minuten ist eine ideales körperliches Training für Hochdruckpatienten. Ratsam sind unter anderem auch Wandern, Fahrradfahren und auch Golf.
  • Wenn unter Belastung neue Krankheitszeichen wie z.B. Schwindel, Brustschmerz oder Herzrhythmusstörungen auftreten sofort den Arzt aufsuchen.
  • Unter Belastung sollte der Blutdruck mittels Blutdruckselbstmessung regelmäßig kontrolliert werden. Der systolische Blutdruck sollte unter Belastung nie höher als 200 mmHg sein.
  • Lieber Ausdauerbelastungen als immer wieder kurze und intensive Belastungen. Es gilt die Regel: Laufen ohne zu schnaufen.
  • Ungeeignete Sportarten sind Übungen mit plötzlichen Kraftanstrengungen und auftretender Pressatmung ( z.B. Liegestützen, Expandertraining, Surfen, Schnorcheln, Tauchen). Ungeeignet sind auch jegliche Form von Wettkämpfen und Leistungssport.

Schädlichen Stress vermeiden!

Negativ erlebter, chronischer Stress (sogenannter Distress) kann Bluthochdruck erzeugen bzw. verschlechtern.

Jahrelanger Stress bzw eine fehlerhafte Stressverarbeitung stellen ein Risiko für die Hochdruck-Entwicklung und Herz-Kreislauf-Krankheiten dar. "Hochdruck macht Hochdruck". Ungünstig sind ständig unterdrückter Ärger, Angst, Hetze hohe Anforderungen mit geringer Belohnung und Benachteiligung in der beruflichen Tätigkeit. Auch die chronische Einwirkung von Lärm erhöht langfristig den Blutdruck.

Einige Tipps zum Stressabbau

  • Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Entspannung. Wichtig sind Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung.
  • Essen Sie niemals unkontrolliert, fressen Sie den Ärger nicht in Sie hinein.
  • Entwickeln Sie Ihre eigenen Strategien zur Stressbewältigung Pausen sind ein gutes Mittel gegen Stress.
  • Machen Sie regelmäßig einen Abendspaziergang.
  • Machen Sie einmal im Jahr drei Wochen lang an einem Stück Urlaub.
  • Gegen Stress bitte keinen Freizeitstress.

Alkohol nur in Maßen!

Kleine Mengen Alkohol sind erlaubt.

Bei einem gesunden Menschen (organ- und stoffwechselgesund) sind bei einem Mann ungefähr 1/4 Liter Wein und bei der Frau die Hälfte erlaubt.

Mehr als 30 g Alkohol täglich wirkt aber stark blutdrucksteigernd. 30 Gramm Alkohol entspricht 1/2 l Wein oder 1 l Bier oder 2 Schnäpsen.

Kaffee in Maßen!

In kleinen Mengen sind Kaffee und Tee erlaubt.

Allerdings ist der Zusammenhang zwischen hohem Blutdruck und Kaffeegenuss ist im Volksmund fast sprichwörtlich. Aufgrund neuester wissenschaftlicher Daten erscheint es gerechtfertigt, Hochdruckpatienten von Kaffeegenuss eher abzuraten, obgleich wir auch wissen dass ein Gewöhnungseffekt dazu führt, dass wiederholter Kaffeegenuss die Blutdruckwerte erhöht.

Medikamentöse Behandlung

Ihr Arzt wird Ihren Bluthochdruck langsam über Wochen senken. Ihr Bluthochdruck hat sich nicht über Nacht entwickelt, er soll auch nicht über Nacht normalisiert werden. Allerdings: Die Blutdruckbehandlung ist eine Dauertherapie. Bluthochdruck muss meist lebenslang behandelt werden. Den Erfolg Ihrer Hochdrucktherapie bestimmen in erster Linie Sie selbst.

Hier einige wichtige Regeln:

  • Sie müssen die von Ihrem Arzt verordneten Medikamente in der verordneten Dosis zuverlässig und regelmäßig einnehmen. Ihr Arzt kann Ihnen diese Verantwortung nicht abnehmen. Letztlich sind Sie selbst für Ihre Gesundheit und für Ihr Leben verantwortlich.
  • Glauben Sie bitte nicht, dass Ihr Blutdruck nicht mehr behandelt werden muß, wenn er sich durch die medikamentöse Behandlung normalisiert hat.
  • Ändern sie die Dosis Ihrer Medikamente nie ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt.
  • Ihr Arzt wird vielfach Kombinationen von verschiedenen Hochdruckmitteln einsetzen. Die Kombination von Hochdruckmitteln mit verschiedenen Angriffspunkten hat den Vorteil, dass die Dosis der Einzelmedikamenten reduziert und damit auch die Nebenwirkungsrate.
  • Hochdruckmittel dürfen nie abrupt abgesetzt werden.
  • Besonders zu Beginn der Behandlung können Nebenwirkungen auftreten. Typisch ist zu Beginn der Behandlung Müdigkeit und ein Leistungsabfall. Diese direkten Folgen der Blutdrucksenkung verschwinden in den meisten Fällen schon nach wenigen Tagen und Wochen. Besprechen Sie alle Nebenwirkungen mit Ihrem Arzt.
  • Begleiterscheinungen dürfen auf keinen Fall zum Anlass genommen werden, die Medikamenteneinnahme selbständig zu unterbrechen.
  • Auftretende Störungen der Sexualfunktion ist oft ein Grund dafür, dass unsere Patienten Ihre Hochdruckmittel absetzen. Durch einen Wechsel auf ein anderes Präparat kann Sie Ihr Arzt von dieser Nebenwirkung befreien.
  • Beachten Sie dass andere zusätzlich einzunehmende Medikamente Ihren Blutdruck beeinflussen können (sogenannte Interaktionen von Medikamenten).
  • Lassen Sie sich ihre ausgehenden Medikamente immer rechtzeitig verschreiben.

Noch einige Hinweise für ältere Patienten

Auch bei älteren Patienten senkt die konsequente Blutdruckbehandlung die Häufigkeit von Schlaganfällen, Herzinfarkten und anderen Gefäßkomplikationen. Es ist nie zu spät und selten zu früh den Bluthochdruck zu normalisieren. Wichtig ist bei Älteren, dass der Blutdruck nur sehr langsam gesenkt wird weil sonst häufig Nebenwirkungen wie Schwindel auftreten kann.



Webseite aktualisiert am 10. September 2009